Probiotische Milchprodukte können vor Karies schützen
Zu einer Optimierung des Karies-Schutzes könnte nach den Ergebnissen von klinischen Studien der regelmäßige Konsum von Milchprodukten beitragen, die mit probiotischen Laktobazillen angereichert sind.

Um die Karies-Prävention weiter zu optimieren, ist in verschiedenen Studien untersucht worden, ob Probiotika (s. auch Probiotika) die Zähne schützen. Der Grund: Für diese Bakterien-Spezies konnte unter anderem gezeigt werden, dass sie das Wachstum einer Reihe pathogener Keime inhibieren. Auf diese Weise entwickeln sie balancierende Effekte auf die Mikroflora im Gastrointestinaltrakt und ähnlich könnten sie auch in der Mundhöhle wirken. Für zwei humane, probiotische Laktobazillus-Stämme liegen inzwischen Studien vor, die ihren kariesprotektiven Effekt bestätigen.

Probiotikum reduziert Karies-Risiko
Bei der ersten Studie handelt es sich um die Subauswertung einer randomisierten, doppelblinden Interventionsstudie zum Effekt eines probiotischen Laktobazillus-Stammes auf die kindliche Gesundheit, insbesondere auf gastrointestinale und respiratorische Infektionen. Eingeschlossen waren 594 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren, die in 18 städtischen Tagespflegeeinrichtungen in Helsinki betreut wurden. Unter Leitung von Dr. L. Näse vom Institute of Dentistry der University of Helsinki, Finnland, bekam eine Hälfte der Kinder an fünf Tagen in der Woche Milch zu ihren Mahlzeiten, die mit dem probiotischen Laktobazillus-Stamm angereichert war. Die andere Hälfte erhielt die gleiche Milch, jedoch ohne Probiotikum. Die exakte Trinkmenge wurde jeweils von den Betreuern notiert - sie war mit Ausnahme der 1- bis 2-Jährigen in beiden Gruppen vergleichbar.

Sowohl zu Studienbeginn als auch nach 7 Monaten zu Ende der Studie ermittelten die Autoren das Karies-Risiko der Kinder anhand der WHO-Kriterien, die klinische und mikrobiologische Daten umfassen (DMF-T-Wert und Streptococcus-mutans-Menge in Plaque und Speichel). Nach ihren Ergebnissen konnte durch den regelmäßigen Konsum des Probiotikums das Karies-Risiko signifikant reduziert werden: Die Odds-Ratio lag bei 0,56 (p=0,01) bzw. nach Korrektur für Alter und Geschlecht bei 0,51 (p=0,004). Der positive Effekt war insbesondere bei den 3- bis 4-Jährigen ausgeprägt.

L. reuteri inhibiert Wachstum von Streptococcus mutans
In der zweiten Studie konnte ein ähnlicher Effekt mit dem probiotischen Lactobacillus-reuteri-Stamm (s. auch L. reuteri)erzielt werden. Eine Arbeitsgruppe der School of Dentistry an der Hiroshima University, Japan, hatte in ihre doppelblinde, plazebokontrollierte Studie 40 gesunde Probanden eingeschlossen. Die eine Hälfte bekam einen Joghurt zu essen, der mit L. reuteri angereichert war, die andere erhielt einen nicht angereicherten Joghurt. Wie die Auswertung ergab, konnte durch das Probiotikum die Besiedelung der Mundhöhle mit Streptococcus mutans signifikant reduziert werden (p<0,01). Im In-vitro-Test wiesen die Autoren darüber hinaus einen hemmenden Effekt von L. reuteri auf das Wachstum von Streptococcus mutans nach.

Positive Effekt der Probiotika in Mundhöhle
Neben Streptococcus mutans gehören zwar auch Laktobazillen zu den kariogenen Keimen, dennoch scheinen die speziell probiotisch wirkenden Laktobazillus-Stämme einen positiven Effekt auf die Zähne zu haben. Das bestätigte auch eine Untersuchung, in der verschiedene potentiell probiotische Bakterien-Stämme (u.a. zwei Laktobazillus-Stämme) in der Lage waren, sich auf Speichel-benetzten Hydroxyapatit-Kügelchen festzusetzen, in einem Plaque-ähnlichen Biofilm zu wachsen und hier das Wachstum pathogener oraler Bakterien-Stämme zu vermindern.

Näse und Kollegen diskutieren für die protektiven Effekte der Probiotika in der Mundhöhle verschiedene Mechanismen. So könnten die Bakterien-Stämme beispielsweise pathogene Keime verdrängen, indem sie inhibitorische Substanzen produzieren. Des Weiteren gibt es Hinweise, dass sie die humorale Immunität verbessern. Die Kombination der Probiotika mit Milchprodukten halten die Autoren für sinnvoll, weil diese auf Grund ihres hohen Kalzium-Gehaltes zusätzlich zur Zahngesundheit beitragen.

Quellen:
Prophylaxe ein Leben lang. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ): http://www.wzn.de/prophy.htm
Oral Disease Prevalence in Germany. WHO: http://www.whocollab.od.mah.se/euro/germany/data/germanycar.html Näse L, et al: Effect of long-term consumption of a probiotic bacterium, Lactobacillus rhamnosus GG, in milk on dental caries and caries risk in children. Caries Res. 2001;35(6):412-20.
Nikawa H, et al: Bovine milk fermented with Lactobacillus reuteri decreases oral mutans streptococci. 82nd General Session of the International Association for Dental Research, March 10-13, 2004, Hawaii, USA, Abstract 2279.
Comelli EM, et al: Selection of dairy bacterial strains as probiotics for oral health. Eur J Oral Sci. 2002;110(3):218-24.
Kariesschutz
durch Probiotika
Reduktion des Karies-Risikos
Reduktion der Besiedelung mit Streptococcus mutans in der Mundhöhle