Therapie bei Durchfall
Durchfallerkrankungen sind bei Kindern weit verbreitet und können bei Säuglingen lebensbedrohlich verlaufen. Probiotika eignen sich zur Prävention und Therapie. Denn für die Mikroorganismen konnte ein balancierender Effekt auf das mikrobielle Milieu im Gastrointestinaltrakt nachgewiesen werden. Studien belegen eine dosisabhängige, klinische Wirksamkeit des Probiotikums Lactobacillus reuteri bei Kindern.

Durchfall bedingt durch Rotaviren ist eine der häufigsten Krankheiten bei Kindern sowohl in Industriestaaten als auch in Entwicklungsländern. Die Therapie erfolgt derzeit überwiegend symptomatisch. Elektrolyte, ausreichend Flüssigkeit und eine angepasste Ernährung gehören zu den Standardempfehlungen. Probiotika könnten zur ursächlichen Behandlung ein gesetzt werden. Folgende Wirkmechanismen werden diskutiert: Wiederherstllung des, durch die pathogenen, Urease produzierenden Bakterien gestörte Gleichgewicht der Darmflora, Verhinderung der Adhäsion und Invasion des Virus durch Blockade der entsprechenden Rezeptoren, gesteigerte Immunität sowie Inaktivierung von Viruspartikeln.

Ausgleichende Effekte auf die Darmflora

Da für Probiotika ein ausgleichender Effekt auf die Darmflora und eine unterstützende Wirkung auf die mukosale Immunität nachgewiesen werden konnte, werden die Mikroorganismen seit Jahren in der Therapie von Durchfallerkrankungen verwendet. Hierbei zeigte sich z.B., dass Laktobazillus-Probiotika die Dauer einer akuten Rotavirus-Diarrhöe bei Kindern verkürzen können. Das ergaben auch Studien für L. reuteri.

Verkürzung der Erkrankungsdauer
Die Arbeitsgruppe um Dr. A.-V. Shornikova zeigte, dass L. reuteri bei einer akuten Gastroenteritis die mittlere Dauer der wässrigen Stühle gegenüber Placebo deutlich reduzieren kann. An der Untersuchung hatten 40 Kinder im Alter zwischen 6 und 36 Monaten teilgenommen, die auf Grund einer Durchfallerkrankung (75% Rotavirus) in eine Klinik eingewiesen worden waren. Die Pädiater teilten die jungen Patienten randomisiert in 2 Gruppen ein. Eine Gruppe (n=19) erhielt während des fünftägigen Aufenthaltes im Krankenhaus 1x täglich 1010-1011 koloniebildende Einheiten (cfu) L. reuteri, die andere Gruppe (n=21) bekam Placebo.
Während die Kinder in der L.-reuteri-Gruppe nach Beginn der Behandlung nur noch durchschnittlich 1,7 Tage unter Durchfall litten, dauerte die Erkrankung in der Placebo-Gruppe 2,9 Tage (p=0,07). Die Benefits der Therapie traten innerhalb der ersten 24 Stunden ein. Am 2. Tag hatten noch 81% der Teilnehmer unter Placebo, jedoch nur 26% der Teilnehmer unter der L. reuteri-Therapie wässrige Stühle (p=0,0005). Anhand von Kulturen, die von Stuhlproben angelegt wurden, konnten die Studienärzte darüber hinaus belegen, dass L. reuteri den Gastrointestinaltrakt der behandelten Kinder gut kolonisierte. Die konstant geringen Urease-Werte im Stuhl der behandelten Gruppe werteten die Autoren als Hinweis auf ein Verdrängen der Urease produzierenden Bakterien durch L. reuteri - in der Placebo-Gruppe stiegen die Werte an.

Dosis-Wirkungs-Beziehung
In einer weiteren Studie konnte die finnische Arbeitsgruppe eine Dosisabhängigkeit der L.-reuteri-Effekte belegen und damit die klinische Wirksamkeit des Probiotikums untermauern. In diesem Fall teilten die Forscher 66 Kinder im Alter zwischen 6 und 36 Monaten, die auf Grund einer Rotavirus Diarrhöe in die Klinik eingewiesen worden waren, randomisiert in 3 Gruppen ein. Die Behandlung erfolgte über einen Zeitraum von 5 Tagen. Die 1. Gruppe (n=20) erhielt 107 cfu L. reuteri, die 2. Gruppe (n=21) 1010 cfu und die 3. Gruppe (n=25) Placebo.

Die durchschnittliche Dauer der wässrigen Stühle betrug nach Beginn der Behandlung unter Placebo 2,5 Tage, unter der niedrigeren L.-reuteri-Dosierung 1,9 Tage und unter der höheren L.-reuteri-Dosierung 1,5 Tage (p=0,01 für Placebo vs. höhere Dosierung). Am 2. Studientag hatten nur noch 48% der Kinder, die mit der höheren L.-reuteri-Dosierung behandelt worden waren, wässrige Stühle, unter der niedrigere L.-reuteri-Dosierung hingegen waren es noch 70% und unter Placebo 80% (p=0,04 für Placebo vs. höhere Dosierung). Wie in der 1. Studie ergab die Untersuchung der Stuhlproben eine gute Kolonisierung des Gastrointestinaltraktes mit L. reuteri bei den behandelten Kindern. Auch der Einfluss der L.-reuteri-Therapie auf die Urease-Werte im Stuhl war vergleichbar mit der 1. Studie.

Präventiver Einsatz von Probiotika
Eine prospektive, doppelblinde Studie aus Israel, an der 194 Kindern in Einrichtungen zur Tages-Betreuung teilgenommen haben, vergleicht unterschiedliche Gesundheitsparameter unter Fütterung von 2 verschiedenen Probiotika (Lactobacillus reuteri vs. Bifidusbacterium lactis) mit einer Placebo-Nahrung.
Die Studie zeigt, dass Kinder, die mit probiotischen Säuglingsnahrungen ernährt wurden, wesentlich seltener erkrankten als Kinder, die keine Probiotika erhielten. Sie litten seltener unter Durchfällen und hatten seltener Fieber. Bei den ebenfalls erfassten Atemwegserkrankungen konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gezeigt werden. Ein weiteres Ergebnis: L. reuteri war der Bifiduskultur in verschiedenen Parametern überlegen: die Kinder hatten seltener Fieber mussten seltener zum Arzt, erhielten seltener Antibiotika und fehlten auch deutlich seltener in der Tages-Betreuung.

Eine mexikanische Studie belegte bei 243 Kindern im Alter zwischen 12 und 36 Monaten darüber hinaus einen präventiven Effekt von Probiotika. Die Studienteilnehmer erhielten randomisiert über 14 Tage entweder eine Ernährung, die mit Lactobacillus spp und L. reuteri angereichert war, oder eine Kontroll-Ernährung. In dieser Zeit war die Durchfall-Inzidenz in der Probiotika-Gruppe signifikant geringer als in der Kontroll-Gruppe (0,27 vs. 0,42, p=0,03).

Quellen:
Casas IA, Dobrogosz WJ: Validation of the Probiotic Concept: Lactobacillus reuteri Confers Broad-spectrum Protection against Disease in Humans and Animals. Microbial Ecology in Health and Disease 2000;12(4):247-85.
Shornikova AV, et al: Lactobacillus reuteri as a therapeutic agent in acute diarrhea in young children. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 1997;24(4):399-404.
Shornikova AV, et al: Bacteriotherapy with Lactobacillus reuteri in rotavirus gastroenteritis. Pediatr Infect Dis J. 1997;16(12):1103-7.
Hilty M, et al: Feeding of a Probiotic for the Prevention of Community-Acquired Diarrhea in young Mexican Children. Pediatric Research. 1996;39(4):184A.
Weizman Z, et al: Infant formula supplemented with probiotics reduces gastrointestinal infections' rate in day care infants. Clin Nutr. 2003;22(S1):S69.
Reid G, et al: Potential uses of probiotics in clinical practice. Clin Microbiol Rev. 2003;16(4):658-72.
L. reuteri bei akuten Gastroenteritiden
Verkürzung der Erkrankungsdauer bei Kindern in 2 klinischen Studien
Dosis-Wirkungs-Beziehung
Überlegenheit gegenüber Bifidobacterium lactis
Präventive Wirkung