Probiotika sind apathogene Mikroorganismen, die z.B. in Form angereicherter Lebensmittel oral verabreicht werden, um durch Optimierung der Darmflora die Gesundheit anhaltend zu verbessern.
Während eine gesunde Darmflora dafür sorgt, dass nur Nährstoffe ins Blut aufgenommen werden, besteht bei einer unausgewogenen mikrobiellen Besiedelung die Gefahr, dass auch unerwünschte Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Viren, die intestinale Barriere überwinden.

Durch Probiotika (griechisch: für das Leben) werden dem Darm gesundheitsfördernde Keime zugeführt, welche schädliche Keime verdrängen und so die Darmflora stärken,.
Historie
Dieser Mechanismus wurde erstmals von Elie Metchnikoff untersucht, der 1908 für seine Arbeiten zur zellvermittelten Immunität den Nobelpreis erhielt. Der Forscher stellte die Hypothese auf, dass es neben den schädlichen Mikroben auch nützliche Mikroorganismen - etwa Milchsäurebakterien (Lactobacillus bzw. L.) gibt, die man zu sich nehmen sollte. Seither sind die Diskussionen zu diesem Ansatz kontrovers.
Eine Theorie besagt, dass verschiedene Bakterien-Stämme notwendig seien, um einen protektiven Effekt zu erzielen. Andere hielten es nicht für realisierbar, einen Stamm zu isolieren, der alle erforderlichen Ansprüche erfüllt, d.h. die Magen-Darm-Passage übersteht, sich ansiedelt und positive Effekte entfaltet. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der Probiotika fehlte. In den 1950er Jahren konnte schließlich bestätigt werden, dass Darmbakterien tatsächlich sowohl negative als auch positive Effekte haben.
Welcher Keim eignet sich zum Probiotikum?
Damit ein Mikroorganismus tatsächlich als Probiotikum eingesetzt werden kann, sind nach der derzeit gängigen Definition die gesundheitliche Unbedenklichkeit, der Nachweis gesundheitlichen Nutzens, die unversehrte Passage des Magen-Darm-Traktes und die technologische Eignung Grundvoraussetzungen. Nach G. Reid sind weitere Bedingungen: Fähigkeit zur Zelladhärenz, Reduktion pathologischer Adhärenz, Persistenz und Vermehrung, Produktion von Säuren, Wasserstoffperoxid und Bakteriziden, , nicht-invasive, nicht-kanzerogene und apathogene Eigenschaften und Förderung balancierten Darmflora. Probiotika stehen heute in unterschiedlichen Darreichungen - etwa als Kapseln oder in angereicherten Lebensmitteln - zur Verfügung. Häufig werden zusätzlich noch Prebiotika, d.h. bestimmte unverdauliche Oligosaccharide wie Inulin und Oligofruktose, zugesetzt, um das Wachstum der probiotischen Bakterien im Dickdarm zu fördern.
L. reuteri hat Vorteile gegenüber anderen Lactobacillus-Spezies
Probiotische Effekte konnten für verschiedene, im Darm natürlich vorkommende Milchsäurebakterien nachgewiesen werden, wie L. reuteri, L. rhamnosus, L. acidophilus und L. casei. Wie Casas IA und Dobrogosz WJ in ihrem Review hervorheben, lies sich die gesundheitsfördernde Wirkung für L. reuteri besonders gut validieren.
Bedeutung von Probiotika für die Säuglingsernährung
Eine Reihe von Studien zeigt, dass sich die Darmflora von gestillten und nicht gestillten Säuglingen Babys unterscheiden. Durch Muttermilch werden probiotisch wirkende Milchsäurebakterien an das Kind weitergegeben.
Daher bieten einige Babynahrungshersteller, wie z.B. HiPP, Milchnahrungen und –breie mit Lactobacillus reuteri Protectis an, der auch in Muttermilch nachgewiesen werden konnte. Damit soll auch bei Folgemilchernährung der Aufbau einer ausgewogenen Darmflora gewährleistet werden. Zu den nachgewiesenen positiven Effekten gehören unter anderem die Stärkung des Immunsystems sowie die Regulierung der Verdauung.